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Schweiz im Abseits: Neue Handelsströme Pazifik, USA, EU

25.03.2015 10:12:21

E-Business: Kreativität und Sprachen noch wichtiger als Technik


Bei den grossen Freihandelsabkommen der USA mit der EU und den Pazifik-Staaten hat die Schweiz das Nachsehen. Die Bilateralen Verträge stehen auf wackeligen Beinen. Handel Schweiz fordert deshalb die Wiederaufnahme der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den USA. Um für den Weltmarkt fit zu sein, sollten Schweizer Websites wenigstens in Englisch und immer öfter auch in Chinesisch, Spanisch und Portugiesisch sein. Wirtschaftliche Impulse verspricht sich Handel Schweiz auch von der zunehmenden Digitalisierung im Handel. Projekte wie WiedikonValley sind auch Inkubator für weitere Projekte, wie ein neues Zahlungsverfahren per Handy für Tankstellen, welches dem E-Business der Schweiz weiter Schubkraft verleihen wird.


Die Schweiz ist eine Händlernation. 15 % aller Arbeitnehmenden sind im Handel tätig – nur der Staat hat mehr Personal. 10 % der Lernenden sind allein im Detailhandel zu finden. Was im Handel passiert, trifft den Nerv der Schweiz. Am heutigen Mediengespräch skizzierte der Dachverband Handel Schweiz die Zukunft der Branche. Diese wird durch drei Entwicklungen geprägt: Der SNB-Entscheid hat im Handel zu überteuerten Lagern, Nachfragerückgang und Investitionsstopps geführt. Die Aussenhandelsbeziehungen werden durch die unsichere Zukunft der Bilateralen Verträge mit der EU und den neuen Freihandelsabkommen der USA mit der EU und dem pazifischen Raum geprägt. Die Schweiz ist nicht Vertragspartnerin und wird doch die voraussichtlich negativen Folgen tragen müssen. Die Verhandlungen zwischen USA und EU werden in diesem Jahr abgeschlossen. Dritter Entwicklungsschwerpunkt im Handel ist das E-Business, das Wachstumstreiber oder möglicher Jobkiller sein kann. Hier ortet Handel Schweiz grosse, noch ungenutzte Potenziale.

Wechselkurs setzt Händler unter Druck
Seit Mitte Januar leiden Import und Export unter den Auswirkungen des neuen Wechselkurses. Überteuerte Lager, eine weggebrochene Nachfrage und der fast schon bestehende Zwang, die sogenannten Währungsvorteile an den Kunden weiterzugeben. Die Währungsvorteile sind für den Handel zwar im Einkauf spürbar. Dieser Vorteil hebt sich jedoch durch die Lagerabwertung wieder auf. Bis ein Lager erneuert ist, dauert es im Durchschnitt vier Monate. Investitionsstopps und kleinere Lager bzw. geringere Verfügbarkeit von Waren sind die Folge. Diese Entwicklung trifft den Handel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schon vor dem Wegfall des Franken-Mindestkurses rechneten die Grosshandelsunternehmer mit einer weiteren Eintrübung des Geschäftes. Jean-Marc Probst, Präsident Handel Schweiz, betonte am Mediengespräch, dass Kunden gleichzeitig immer mehr «just in time» verlangen. Es müssten also grosse Ersatzteillager vorhanden sein – für viele Händler ein Dilemma. «Was oft vergessen wird: Der Handel übernimmt neben der Lagerhaltung noch andere wichtige Funktionen wie Anarbeitung, Service, Umarbeitung, Verpackung, Beschriftung, Etikettierung sowie Ausbildung, Schulung und Beratung.»

Bilaterale Verträge mit dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, der EU
Kaspar Engeli, Direktor Handel Schweiz, zeigte auf, dass die Bilateralen Verträge die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz mehrfach beflügelt haben; ein Liebäugeln mit dem Verzicht auf die Bilateralen Verträge sei verantwortungslos. Seit einigen Jahren verschieben sich die Prioritäten in den Handelsbeziehungen der Schweiz. Die EU ist zwar nach wie vor der wichtigste Handelspartner, doch hat sich der Aussenhandel Schweiz – EU in den letzten 12 Jahren von 67 % auf 54 % reduziert. Der Aussenhandel mit dem Rest der Welt ist gleichzeitig von 33 % auf 46 % gestiegen. Engeli: «Hier sind die Treiber eindeutig die vielen Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und anderen Ländern. Ausserdem ist der Welthandel in den vergangenen Jahren vor allem ausserhalb Europas gewachsen.»

Neue globale Handelsräume – ohne die Schweiz?
Das Freihandelsabkommen EU–USA soll in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Das Handels- und Investitionsabkommen umfasst einen riesigen Markt von fast 1 Mrd. Menschen beidseits des Nordatlantiks. Ebenfalls verhandeln die USA derzeit mit Australien, Neuseeland, Japan, Brunei, Malaysia, Singapur, Vietnam, Chile und Peru über ein umfassendes Freihandelsabkommen im Pazifikraum. Der Direktor von Handel Schweiz warnte: «Die Schweiz ist in jedem Fall betroffen. Da sie nicht Verhandlungspartnerin ist und die Verhandlungen mit den USA dazumal abgebrochen hat, muss sie mit dem klarkommen, was sich ergeben wird.» Mehr als zwei Drittel aller Schweizer Exporte gehen in die EU (56 %) und die USA (11 %). Dies verdeutlicht, dass für die Schweizer Wirtschaft einiges auf dem Spiel steht. Chancen für den Handel sieht Handel Schweiz in neuen Freihandelsabkommen Handel Schweiz mit Indien, Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam, Russland, Brasilien und USA. Kaspar Engeli: «Je mehr Marktzugang wir haben, umso produktiver können wir sein. Wir fordern deshalb die Wiederaufnahme der Freihandelsverhandlungen zwischen der Schweiz und den USA.»

Bodyscanning in New York, swissmade massgeschneidert in Appenzell
Eine weitere grosse Chance sieht Handel Schweiz in dem noch wenig genutzten Potenzial des E-Business. So kann die zunehmende Digitalisierung die Lagerhaltung optimieren und die Risiken minimieren. Zudem gibt es dank der hohen Smartphone-Dichte der Schweiz zahlreiche Möglichkeiten, die innovativen neuen Techniktrends wie u.a. iBeacon, GPS oder Bodyscanning für verstärkten Kundennutzen einzusetzen. So könnte ein Schweizer Schneider weltweit massgeschneiderte Kleider anbieten, wenn er Zugang zu den Bodyscanning-Daten vor Ort hätte. Das ist heute noch Zukunftsmusik, aber nach Ansicht von Swico-Präsident Andreas Knöpfli bald Realität.

Mehrsprachigkeit der Website auf Weltmärkte ausrichten
Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz: «Wer nicht online ist, ist bald off market.» Er fordert Schweizer Unternehmen auf, den Blick verstärkt auch auf Kunden in anderen Ländern zu richten. So konkurrenziert ein Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse heute mit dem Shop in Orlando und dem «One-Click-Purchase»-Button bei Twitter. Allein den Vertriebskanal Ebay nutzen 20'000 Unternehmen aus der ganzen Welt – auch sie stehen im direkten Wettbewerb mit Schweizer Anbietern. Engeli: «Häufig wird übersehen, was es vor allem braucht, um Kunden in anderen Ländern ansprechen zu können: Die jeweilige Landessprache. Die Schweiz denkt an Deutsch, Französisch und Italienisch, wenn sie sich wie jetzt gerade der Bundesrat mit Mehrsprachigkeit auseinandersetzt. In den grössten Absatzmärkten Märkten der Welt sprechen die Menschen jedoch Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Chinesisch und Russisch. Wer online nicht in diesen Sprachen auftritt, wird diese Kunden auch nie erreichen. Deshalb fordere ich Schweizer Unternehmen auf, jetzt Websites und Produkte auf die Sprache ihrer Kunden auszurichten», so Engeli.

Smartphone erklärt Sehbehindertem die Menükarte
Auch innerhalb der Schweiz ergeben sich grosse Chancen durch Digitalisierung, zum Beispiel aus der Smartphone-Dichte. Ein Beispiel für aktuelle innovative Anwendungen neuer Technologien ist das Projekt WiedikonValley, das seit November 2014 bis Ende März 2015 auf Initiative von drei Start-Up-Unternehmen läuft. Das ist der erste Schweizer Feldversuch mit iBeacon-Technologie, die bisher erfolgreich von Burberry in London, einem Museum in Antwerpen oder dem Zoo von Los Angeles eingesetzt wird. Zwischen Goldbrunnenplatz und Schmiede erhalten Passanten, Tram- oder Autofahrer Informationen zum Geschäft, in dessen Radius sie sich bewegen. Der Bäcker hat heute eine Aktion bei den Gipfeli, der Optiker bietet einen Rabatt auf Sonnenbrillen oder im Restaurant gibt es heute Schwäbische Maultaschen, Austern und Seeteufel. Initiant Marc Hauser: «Eine der wesentlichen Erkenntnisse ist, dass es nicht ausreicht, Werbebotschaften und Informationen an Passanten zu senden, sondern es müssen neue Anwendungsgebiete entwickelt werden.» Deshalb werden seit Mitte März u.a. Sehbehinderte via Smartphone-Sprachausgabe informiert. Am Kiosk von Hans Schiesser klingt das dann so: «Einfach an die Scheibe klopfen und Hans Schiesser kommt persönlich.» Bei der AXA weist die Audionachricht darauf hin, dass eine Mitarbeitende gerne den Besucher unten an der Tür persönlich abholt.

Anwendungen via Smartphones könnten rasch Schule machen. Denn seit zwölf Monaten werden in der Schweiz mehr Zugriffe mit mobilen Geräten aufs Internet verzeichnet als mit Desktop-Computern. Die Zugriffsrate via Smartphone liegt heute schon bei 65 % und wird gemäss Swico-Präsident Andreas Knöpfli bald bei 75 % liegen. Hier liegen grosse Chancen für den Handel. Die letzte Swico-Studie zeigte, dass 86 % der verkauften Mobiltelefone in der Schweiz Smartphones sind.

Technik führt zu neuen Jobs im Handel
Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, wünscht dem Handel innovative Impulse durch die intelligente Nutzung der neuen digitalen Möglichkeiten. Diese wird es auch brauchen, um langfristig Arbeitsplätze im Handel zu sichern. Britische und deutsch-schwedische Forscher kamen zum Schluss, dass Computer bald jeden zweiten Job überflüssig machen könnten. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner wird es ab 2020 erstmals insgesamt weniger Arbeitsplätze geben als vor der Digitalisierung. Swico-Präsident Andreas Knöpfli widerspricht dem. «Es wird neue Jobs geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. So werden «Self-check»-Umgebungen und «Self-Scanning»-Systeme zwar den Job des Kassierers eliminieren; er oder sie wird aber vielleicht zum Teil durch einen «Controller» ersetzt, der die Leute kontrolliert, die ein «Self-checkout» durchführen. Dann existiert möglicherweise noch ein «Butler», der berät, Fragen beantwortet und dem Kunden zeigt, wo er seine Produkte scannen kann.» So oder so sind in der Schweiz noch viele Hausaufgaben zu machen. WiedikonValley-Initiant Marc Hauser meint: «Nicht nur dem Handel, sondern eigentlich allen Unternehmen möchte ich mit auf den Weg geben, dass die Schweiz zehn nach zwölf dasteht. Es müssen neue smartere Anwendungen gedacht und umgesetzt werden. Der Kunde muss viel stärker als bisher einbezogen werden.» Dass die Digitalisierung immer mehr Schweizer Firmen zu inspirieren vermag, zeigt das neue Projekt, das heute zum ersten Mal am Mediengespräch von Handel Schweiz bekannt gemacht wurde. Tokheim, Europas führender Hersteller von Zapfsäulen und Kassensystemen an Tankstellen sowie das auf mobilen Zahlungslösungen spezialisierte Genfer Start-Up des Internet-Pioniers J.F. Groff prüfen neu die Entwicklung eines sicheren, benutzerfreundlichen und kostengünstigen Zahlungsverfahren für Tankstellen.

Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Die KV-Branche Handel bildet 1‘400 Lehrlinge aus und ist damit eine der grössten und beliebtesten Ausbildungsbranchen.

Kontakt:
Kaspar Engeli, Direktor, Tel. 061 228 90 33
Andreas Steffes, Sekretär, Tel. 061 228 90 32

Informationen, Bildmaterial:
Iris Wirz c&p communications, Tel. 043 500 52 88
E-Mail: presse@handel-schweiz.com

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