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Handel Schweiz blickt in die Zukunft des Verkehrs

12.05.2015 10:17:56

Warenlieferungen noch besser koordinieren und planen


Der Verkehr beeinflusst die Kosten und die Logistik im Handel – und der Handel bzw. der Konsument verursacht Verkehr. Handel Schweiz hat Handelsunternehmer, Politiker, Konsumenten und Experten eingeladen, in die Zukunft des Verkehrs zu blicken. Für die nahe Zukunft wird vor allem auf die bessere Planbarkeit und Koordination von Lieferungen mithilfe der Digitalisierung gesetzt.



Schuhe aus Italien, Käse aus dem Tessin, Wein aus Spanien, T-Shirts aus der Türkei, Laptop aus USA, Handy aus China – die Liste liesse sich beliebig fortsetzen – der Konsument bekommt heute fast alles, was er oder sie sich wünscht, in sehr kurzer Zeit geliefert: In den Laden um die Ecke oder direkt nach Hause. Auch für Handwerker und die Industrie sind kurze Lieferzeiten und grosse Verfügbarkeit von Waren selbstverständlich – bis 16 Uhr bestellt und am nächsten Morgen schon fertig zur Verarbeitung: Das zeigt die Leistungsfähigkeit des Handels in der Schweiz. Doch all das ist ohne einen funktionierenden Verkehr nicht machbar. So verursacht unsere Einkaufslust nicht nur Wohlstand, sondern eben auch Verkehr. Der Trend zum Online-Handel verstärkt diese Entwicklung, denn statt einmal in die City zu fahren und 15 Dinge mit nach Hause zu bringen, bestellen wir via Internet 15 Päckchen, die alle einzeln transportiert werden.

Bis 2030 45 % mehr Güterverkehr
Kein Wunder, sind sich die Experten einig: Der Verkehr wird zunehmen – auf der Schiene wie auf der Strasse. Und der Verkehr wächst schneller als die (immer neuen) Nadelöhre beseitigt werden können. Die Staustundenstatistik zeigt für die letzten Jahre eine stetige Zunahme und ist inzwischen bei 21’509 Staustunden pro Jahr angelangt – täglich herrscht rund sechs bis sieben Stunden Stau auf den Schweizer Strassen. Dabei wächst die Mobilität wesentlich stärker als die Bevölkerung. Bis zum Jahre 2030 gehen Fachleute von einem Verkehrswachstum von 25 % für den Personenverkehr und 45 % für den Güterverkehr aus. Im Güterverkehr zeigen sämtliche Statistiken einen Wachstumstrend – für den Verkehr auf der Strasse wie auf der Schiene, auf dem Wasser oder in der Luft.

Dezentrale Lager, Kostenwahrheit und mehr Regionales
Die Lösungen sind komplex und erfordern die Zusammenarbeit aller Akteure. Das meint auch Nils Planzer, CEO und Präsident des Verwaltungsrates der Planzer Transport AG, die täglich 15'000 Sendungen mit 1'350 Fahrzeugen transportiert – dabei sind 60% aller Lieferungen nachts in 300 Eisenbahnwagen unterwegs. Nils Planzer führt das Unternehmen in der dritten Generation. Er ist überzeugt, dass die Transportkosten weiter steigen werden, denn: «Die Transportwege zu den zentralen Lagern werden immer länger, und sie führen durch die Engpässe im Schweizer Strassennetz. Die immer zunehmenden Staustunden erhöhen folglich die Transportkosten.» Abhilfe sieht er in der Kostenwahrheit. «Heute bezahlt im Verkehr nicht jeder das, was er konsumiert.» Eine mögliche Lösung erkennt Planzer in dezentralen Lagern. An der Veranstaltung von Handel Schweiz zur Zukunft des Verkehrs forderte er die Handelsunternehmer auf, weitsichtig und dezentral in neue Lagerstandorte zu investieren und das Regionale zu fördern.

Handel transportiert, was Konsumenten kaufen
Für den Mobilitätsexperten und ETH-Dozenten Dr. de Haan liegt eine der Lösungen darin, dass die Verkehrsplanung einsieht, dass man zwar die Kapazitäten ausbauen, den Verkehr aber nicht weiter beschleunigen sollte. «Beschleunigung bedeutet Mehrverkehr und damit die Erzeugung des nächsten Problems.» Seiner Meinung nach sollte sich der Handel die Frage stellen, ab welchem Staustundenanteil er die Einführung von Road Pricing befürwortet. Denn, so de Haan: «Road Pricing führt dazu, dass Verkehr mit wenig Nutzen wegfällt. Zum Beispiele jene Personen, welche zur Stosszeit in das Möbel-Einkaufszentrum fahren, um für 1 Franken Kaffee zu trinken, und damit die Autobahnkreuze in der Agglomeration an die Kapazitätsgrenze bringen.» De Haan setzt auf die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit: «Die Allgemeinheit sollte vermehrt einsehen, dass der Güterverkehr auch nur jene Güter heranschafft und feinverteilt, welche die Konsumenten eben konsumieren. Der Handel und der Güterverkehr – das sind wir. Auf der Ebene der Politik ist wichtig, dass Verkehr nicht subventioniert wird, sondern zunehmend seine Kosten selber decken soll. Die Verteuerung von Strasse und Schiene sollte dabei im Gleichschritt erfolgen. Im Bereich des Öffentlichen Verkehrs muss man darauf achten, dass die Personenzüge nicht noch schneller werden. Sie verdrängen sonst die Güterzüge, was wiederum die Strasse belasten würde.»

Zukunft: Verkehr besteuern?
Für die weitere Zukunft rechnet der Mobilitätsexperte mit der Besteuerung des Verkehrs pro gefahrenen Kilometer. Er erklärt: «Die Schweiz wird mit etwas Verzögerung jene Entwicklung nachvollziehen, welche zuerst in europäischen Ballungsräumen wie im Ruhrgebiet sowie um Paris und London manifest wird. Entsprechende technische Systeme für die automatische Fahrzeugerkennung und -Abrechnung wird man ab Stange kaufen können, und die Schweizer werden sich daran auf ihren Auslandreisen gewöhnt haben. Das Gleiche wird auch auf der Schiene kommen.»

Gesamtkonzept für den Verkehr – vom Nachwuchs zu entwickeln
Andreas Burgener, Direktor auto-schweiz, plädiert für ein Gesamtkonzept im Verkehr, das junge Betriebswirtschaftler und Ingenieure entwickeln und das auf ein Blatt Papier passt. Burgener skizziert begeistert: «Ein paar versierte Ingenieure/innen und Betriebswirtschafter müssten ein Gesamtkonzept für den Schweizer Verkehr aufzeichnen – ohne irgendwelche Ideologien. Das müssten 20-Jährige und nicht die 50-Jährigen machen. Denn all das wird frühestens in 40 Jahren gebaut oder in Betrieb genommen. Daran müssen sich Fachhochschulen und Handwerker beteiligen, die wissen, wie die Sache funktioniert. Unsere Probleme müssen Ingenieure lösen und nicht die Politik. Dabei müsste der ÖV gleichwertig zur Strasse behandelt werden. Es braucht dafür alle Verkehrsträger: In der Luft, auf dem Wasser, auf der Schiene und auf der Strasse. Wir müssen uns hinsetzen und sagen: Was wollen wir? Wie machen wir es? Was kostet es und wer bezahlt es?»

In der Diskussion der Veranstaltung von Handel Schweiz waren sich Handelsunternehmer, Konsumenten, Politiker und Experten einig: Für den Handel bestehen die Herausforderungen in der Bündelung von Lieferungen – Leerfahrten und Parallelfahrten sind zu vermeiden. So macht es keinen Sinn, dass an einem Tag drei Kurierdienste drei unterschiedliche Sendungen der gleichen Firma oder Familie bringen. Dank der zunehmenden Digitalisierung sollte es in Zukunft möglich sein, Synergien im Transport der bereits verkauften Waren zu schaffen. Zudem könnten die Kosten für das Tempo und die Tageszeit der Lieferung variieren. Ausserdem sollten wieder vermehrt dezentrale Lagerkapazitäten geschaffen werden und Produktionen vor Ort in der Region erfolgen. Als konkrete und dringende Schritte schlägt Handel Schweiz die breite öffentliche Diskussion über die Aufhebung des Nachtfahrverbots sowie den Bau von doppelstöckigen Autobahnen vor.

Die Zitate basieren auf Interviews, die am World Café von Handel Schweiz «Verkehr im Handel – quo vadis?» geführt wurden.

Die Interviews befinden sich unter Dropbox
Fotos unter flickr

Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Die KV-Branche Handel bildet 1‘400 Lehrlinge aus und ist damit eine der grössten und beliebtesten Ausbildungsbranchen.

Kontakt:
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Andreas Steffes, Sekretär, Tel. 061 228 90 32

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E-Mail: presse@handel-schweiz.com

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