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Brexit: Handel Schweiz warnt vor EU-Austritt der Briten

11.05.2016 09:15:45

Franken als Fluchtwährung und falsche Signale für Europa

Am 23. Juni 2016 werden die Briten über einen möglichen EU-Austritt abstimmen. Sollte Grossbritannien tatsächlich aus der Europäischen Union ausscheiden, drohen der Schweizer Wirtschaft und der gesamten EU unangenehme Konsequenzen. Handel Schweiz, der Dachverband des Handels, der den wichtigsten Arbeitgeber der Schweiz vertritt, rechnet mit dem Worst-Case-Szenario.

Die Stimmen gegen einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union werden immer lauter. Erst kürzlich sprach sich Barack Obama während seines Besuchs in Grossbritannien klar gegen einen Austritt aus, und auch Angela Merkel wünscht sich, dass die Insel weiterhin Mitglied der EU bleibt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung prophezeit katastrophale Folgen für die britische Wirtschaft und für die restlichen EU-Mitgliedsländer. Die nationale Abschottung ziehe eine massive Senkung des britischen Bruttoinlandprodukts (BIP) nach sich: Von 0.6 bis 3.0% bis ins Jahre 2030. Darüber hinaus bestünde die Gefahr, dass Grossbritannien alle Privilegien verliere, welche momentan auf Grund von 38 verschiedenen Handelsabkommen mit EU-Ländern bestehen. Die Handelsaktivitäten mit Grossbritannien brächen ein, was schliesslich alle Parteien zu Verlierern machen würde, so die Bertelsmann-Studie.



Weg vom Euro und hin zum Schweizer Franken
Auch Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, warnt: «Sollte es tatsächlich zum Brexit kommen, rechnen wir für den Schweizer Handel mit dem Worst-Case-Szenario. Ein EU-Austritt Grossbritanniens würde die britische Finanzwelt erschüttern, und den Pfund- und Eurokurs ins Bodenlose sacken lassen. Die Engländer würden diesen Währungen den Rücken zukehren und versuchen, sich in den Franken zu retten. Wenn der Schweizer Franken tatsächlich zur Fluchtwährung würde, hätte das eine massive Stärkung des Frankenkurses zur Folge, was letztlich den Schweizer Exporthandel erschwert.» Die Folgen könnten ähnlich sein wie nach dem 15. Januar 2015, als die Schweizer Nationalbank den Euromindestkurs aufgehoben hatte. Der Schweizer Franken war innert kurzer Zeit um 15% mehr wert. Wirtschaftsexperten kündigten eine düstere Zukunft an, und es kam zu starkem Stellenabbau. Auch beim Brexit drohen ausser den schweren Nachteilen für den Export dem Handel grosse Lagerabwertungen. Schweizer Unternehmer können nur wenig dagegen unternehmen. Der Direktor von Handel Schweiz empfiehlt, die Entwicklung genau im Auge zu behalten und bis zum Abstimmungstag Lager abzubauen. Auf Grund von Lagerzyklen sei dies jedoch nicht in jedem Fall möglich. Kaspar Engeli rät ausserdem, Swap-Absicherungen zu prüfen und Lieferverträge im Hinblick auf Währungsschwankungen zu kontrollieren und allenfalls anzupassen. Ausserdem sei zu beachten, dass auch die Kunden diese Auswirkungen spüren werden; daher sei es ratsam, diese frühzeitig zu informieren. 

«Es ist zentral, dass Europa geeint auftritt.»
Neben den wirtschaftlichen Konsequenzen spricht Kaspar Engeli aber auch potenzielle gesellschaftliche Folgen an. Ein Austritt bedeute eine Schwächung der gesamten EU und könne im schlimmsten Falle Nachahmer auf den Plan rufen. Es sei durchaus denkbar, dass Länder wie Griechenland oder einige osteuropäische Staaten durch einen EU-Austritt der Briten ermutigt werden, selber ähnliche Wege einzuschlagen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten in Europa – Stichwort Völkerwanderung – sei ein starker Zusammenhalt für die Stabilität unverzichtbar. «Es ist zentral, dass Europa geeint auftritt und versucht, diese riesigen Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Ein Austritt Grossbritanniens wäre ein falsches Zeichen zur falschen Zeit.»

Der Handel zwischen der Schweiz und Grossbritannien
Im Jahre 2015 exportierte die Schweiz Waren im Wert von CHF 11,7 Mrd. nach Grossbritannien. Im Gegenzug wurde ein Warenwert von CHF 6,6 Mrd. von der britischen Insel importiert (ohne Juwelen und Edelmetalle). Dies macht Grossbritannien zum fünftgrössten Importeur von Schweizer Waren. Investitionen in der Höhe von CHF 78,7 Mrd. machten die Schweiz im Jahre 2013 zum drittgrössten Direktinvestor (Gebäude und Maschinen) in Grossbritannien. Ende 2013 arbeiteten 193'700 Personen bei Schweizer Firmen auf britischem Boden. Zur selben Zeit investierten britische Unternehmen CHF 21,3 Mrd. in der Schweiz und hatten hier 26'800 Angestellte. Zu den grössten britischen Firmen gehören HSBC, Vodafone, BP und Unilever.

Kontakt
Kaspar Engeli, Direktor, Tel. 061 228 90 33
Ueli Stursberg, 1. Sekretär, Tel. 061 228 90 31  
 

Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Die KV-Branche Handel bildet 1‘400 Lehrlinge aus und ist damit eine der grössten und beliebtesten Ausbildungsbranchen. 

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