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Digitale Zollquittung eVV Import für Schweizer Importeure

29.06.2017 14:08:28

Die Zollquittung wird von den Schweizer Zollbehörden per 1. März 2018 definitiv digitalisiert. Dies hat Aus­wir­kungen auf Prozesse und die IT. Gleichzeitig eröffnen sich damit neue Chancen für Effizienzsteigerungen und Transparenz.


Seit 2012 bietet die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) die Veranlagungsverfügung Import (VV) oder Zollquittung auch elektronisch als eVV an. Der In­haber eines Zollkontos (ZAZ) kann damit die gelbe Pa­pier­quittung mit der digitalen Variante ersetzen.
 
Nun hat die EZV die definitive Ablösung der VV auf 2018 festgelegt. Ab sofort läuft der Countdown. Damit wird 2017 das Umstellungsjahr für gegen 20‘000 Schweizer Zollkonto-Inhaber, welche noch die Papierquittung verwenden.
 
Prozesse neu gestalten
Die meisten Importverzollungen werden heute von Spediteuren, Zollagenten sowie Kurier-, Express- und Paketdienstleistern (KEP) durchgeführt. Die Zoll­an­meldung erfolgt mit dem elektronischen e-dec Importverfahren. Danach werden die gelbe Papier-Zollquittung sowie die Zollrechnung dem ZAZ-Inhaber per Briefpost zugestellt. Falls der Ver­zol­lungs­dienst­lei­ster (VDL) auf sein eigenes Zollkonto angemeldet hat, stellt er dem Importeur die Papierquittung per Post zu.
 
Die Umstellung auf eVV Import verändert diesen Papier-basierten Prozess. Zwar wird sich die Ar­beits­tei­lung Verzollung/Zollkontokontrolle kaum ändern. Neu wird die eVV nach der Zollanmeldung durch den VDL jedoch in Datenform auf dem Server der EZV bereitgestellt. Der Zollkunde muss diese Daten nun elektronisch abholen. Dieser neue Ablauf ist in der Grafik „Prozess eVV Import“ dargestellt.
 
Nach der Beauftragung (1) nimmt der Dienstleister die e-dec Importverzollung vor (2). Die EZV stellt die eVV bereit. Der Inhaber des Zollkontos holt diese Daten vom Zollserver ab (3), kontrolliert (4) und archiviert (5) sie. Diese Daten können an ein in­ter­nes ERP-System weitergeleitet werden (6).


Abb. 1: Prozess eVV Import


Damit ergeben sich folgende Neuerungen:

  • die eVV wird von einer Bring- zu einer Holschuld,

  • die Abholung der Zollquittung muss mit IT-Hilfs­mitteln erfolgen (durch VDL oder Importeur),

  • alle eVV Zollinformationen sind als Daten verfügbar und nutzbar,

  • die elektronischen Belege und nicht mehr Papierdokumente gelten als Nachweis bei Zoll- und insbesondere MwSt.- Kontrollen,

  • die Archivierung der eVV-Daten muss elek­tro­nisch erfolgen. Zudem ist der Importeur gemäss Eidg. Steuerverwaltung (ESTV) zu einer rechts­kon­for­men Archivierung der elektronischen Be­le­ge während 10 Jahren verpflichtet.

Der MwSt.-pflichtige Importeur bleibt gegenüber EZV und ESTV verantwortlich und haftbar. Er muss den Prozess zur Abholung und Ablage der eVV Daten mit seinen Verzollungsdienstleistern ver­bind­lich regeln.
 
IT Systeme für die eVV-Verarbeitung
Für die Abholung der eVV bietet die EZV drei IT-basierte Möglichkeiten an:

  • Zugangscode (Kleinstvolumen)
    Wer kein eigenes ZAZ-Konto hat, bezieht die eVV direkt via Zugangscode ab EZV-Homepage. Ein 16-stelliger Zugangscode (bespielsweise kC9q2ybOPLWcvbgl) muss pro eVV manuell eingegeben werden. Primär für Privatkunden gedacht.
     

  • Direktabholung via Internetbrowser der EZV (Kleine Volumen)
    Manuelle Abholung via EZV-Internetzugang. Der Kontoinhaber kann die verfügbaren eVV abfragen, ausdrucken und bei sich lokal ar­chi­vie­ren.
     

  • Direktanbindung mit Softwareanbieter-Lösung
    Der ZAZ-Inhaber setzt eine spezifische Software eines Zoll-IT Anbieters, welche die eVV vom Server der EZV abholt.
     


Abb. 2: Gegenüberstellung IT Lösungen eVV Import
 
eVV Import Digitalisierung „Zoll 4.0“ mit neuen Chancen
Die spezialisierten Lösungen von IT-Anbietern ermöglichen nicht nur, den Abholprozess weit­ge­hend zu automatisieren. Abhängig von der Funk­tio­na­li­tät der gewählten Software, können die eVV-Daten weiterverarbeitet, ganzheitlich ausgewertet, an interne Systeme weitergeleitet sowie rechts­konform archiviert werden. Ein Vergleich der ver­schie­de­nen Optionen (siehe Tabelle: Ge­gen­über­stel­lung IT-Lösungen eVV Import) zeigt, dass ins­be­son­de­re webbasierte Cloud Lösungen effizient und auch ohne interne IT-Involvierung umsetzbar sind.
 
Mit diesen spezialisierten Systemen entstehen interessante neue Möglichkeiten. So wie Industrie 4.0 ein Hauptthema in der Wirtschaft ist, kann die eVV ein wichtiger Schritt zu „Zoll 4.0“ sein für Integration, Automatisierung und Digitalisierung von papiergebundenen Abläufen. Spezialisierte Cloud-Software ermöglicht dem Importeur span­nen­de Vorteile:

  • Die eVV steht online zur Verfügung,

  • die Kontrolle der Quittungen erfolgt IT-gestützt sehr einfach,

  • die Papierverarbeitung fällt weg (Post, Kontrolle, Kopien, Weiterleitung, Ablage, Suche,…),

  • die Suche nach Quittungen und Zollinformationen erfolgt online am Bildschirm,

  • sofortige statistische Auswertungen über alle eVV-Zolldaten per Mausclick,

  • Belastungen des Zollkontos sind sofort kontrollierbar, Abweichung sind endlich transparent,

  • Zusatzinformationen für Präferenz- und Ursprungskontrolle.


Empfehlung für Umstellung
Die verbleibende Zeit bis zur definitiven Umstellung ist kurz. Es ist deshalb wichtig, jetzt die positiven Auswirkungen der eVV Import auf Ihre eigenen Pro­zes­se zu nutzen und die Umstellung zu planen. Stimmen Sie die neuen Abläufe mit Ihren Lo­gi­stik­dienst­lei­stern ab. Nutzen Sie Effizienzsteigerungen. Dabei nehmen Cloud-basierte IT-Lösungen von Zollsoftware-Spezialisten sowie die Integration mit bestehenden Systemen wie z.B. SAP eine wichtige Rolle ein. So profitiert der Importeur von Ko­sten­ein­spa­run­gen, einer durchgängigen Zollkontrolle und ganzheitlichen Informationen der Zollabwicklung. Dies erhöht für Importeure die Durchgängigkeit und Transparenz der grenzüberschreitenden Verkehre.


Autor:
Roland Schumacher
CEO SISA Studio Informatica SA
rs@sisa.ch
 


 

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