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Beispiel einer verfehlten Aussenwirtschaftspolitik

19.02.2018 09:04:06

Algerien verhängt Importverbote für 1’000 Produkte

Algerien hat aufgrund der fallenden Ölpreise seit März 2017 den Import gedrosselt. Seit Januar 2018 sind weitere Güter hinzugekommen – insgesamt sind bis jetzt 1’000 Produkte betroffen, von Lebensmitteln wie Obst und Käse bis zu Zement und Mobiltelefonen. Für Handel Schweiz ist dies ein Beispiel für verfehlte Aussenwirtschaftspolitik: Es entsteht ein Graumarkt, Retorsionsmassnahmen drohen, Produkte werden schlechter und verteuern sich.

Angefangen hat es im März 2017: Die Generaldirektion für Aussenhandel des algerischen Handelsministeriums teilte mit, dass sämtliche Unternehmen, die Produkte für den Weiterverkauf nach Algerien einführen, ab sofort Importlizenzen benötigen. Und im Juli 2017 wurde nachgedoppelt: Algerien hat die Einfuhr von 24 Lebensmittel- und Industrieprodukten eingestellt, um die Importrechnungen zu reduzieren und die lokale Produktion zu animieren.
 
Mit dem praktischen Einfuhrstopp für zahlreiche Produkte versucht das Land den Rückgang der Devisen aufzuhalten und sein Devisenproblem zu lösen. Die Banken wurden von den Behörden «eingeladen», für 24 Produkte keine Überweisungen ins Ausland mehr vorzunehmen.
 
Ölpreis macht Probleme
Grund dieser Massnahmen ist der starke Preisverfall des Öls. Es macht 95 Prozent der Deviseneinnahmen Algeriens aus. Entsprechend musste die Regierung seit 2014 auf Reserven zurückgreifen. Die Devisenbestände lagen Ende 2014 bei rund 177 Milliarden Dollar, heute noch bei rund 100 Milliarden Dollar.
 
Algerien erstellt eine Liste von verbotenen Produkten für den Import
Im Januar 2018 hat das algerische Handelsministerium eine erweiterte Liste verbotener Produkte für den Import herausgegeben. Dieses Verbot tritt sofort in Kraft.
 
Neben frischem Obst umfasst diese Liste Fleisch, frisches Gemüse, Trockenfrüchte, Käse, Thunfisch, Maisderivate, Fleischzubereitungen, Kaugummi, Süssigkeiten und Pralinen, Teigwaren, Backwaren, Getreidenebenerzeugnisse, Konserven wie Konfitüren, Tomaten, und Nahrungsmittelzubereitungen, Zubereitungen für Suppen und Mineralwasser.
 
In der Kategorie der industriellen Produkte findet man Zement, Reinigungsmittel, fertige und halbfertige Kunststoffprodukte, Sanitärprodukte, Marmor und Granit, Toilettenpapier, Teppiche, fertige Keramiken, Spiegel und Gläser, Mähdrescher, Wasserhähne, Draht, Möbel, Kronleuchter, Haushaltsgeräte und Mobiltelefone.
 
Beurteilung
«Algeria first» soll nun die Lösung bringen. Was für ein Irrweg! Auf den ersten Blick eine ideale Lösung: Es gibt Applaus von Nationalisten, die heimische Wirtschaft freut sich, die Devisen bleiben im Land – alles bestens.

Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, erklärt: «Was in Tat und Wahrheit passiert: Es entsteht ein Graumarkt, Retorsionsmassnahmen drohen, Produkte werden schlechter und verteuern sich. Abschottung, Importzölle und Handelsbehinderungen führen nicht zum erhofften Ziel. Wir sind Zeuge eines klassischen Eigengoals. Die heimische Wirtschaft wird nicht geschützt, indem man die Grenzen schliesst. Ganz im Gegenteil: Wettbewerb, allenfalls dosiert sektoriell unterschiedlich intensiv, macht die Wirtschaft wettbewerbsfähig, bringt bessere Produkte hervor und führt zu Wohlstand. Das gilt nicht nur in Algerien, aber genauso für die Schweizerische Landwirtschaft, welche unter einem irrationalen Protektionismus leidet und immer noch meint, das Gegenteil sei der Fall.»
 
Liste der betroffenen Produkte
Lebensmittelprodukte
  • Fleisch,
  • Zubereitete Suppen und Sossen (Mayonnaise, Ketchup, Senf und andere)
  • Brot
  • Pizza
  • Teigwaren
  • Trockenfrüchte, Erdnüsse
  • Käse
  • Obstsäfte
  • Mineralwasser
  • Zuckermais
  • Konfitüren und Marmeladen
  • Schokolade und Süssigkeiten
  • Konserven
 
Industrieprodukte
  • Armaturen
  • Elektrische Transformatoren
  • Marmor, Granit
  • Mauer- und Dachziegel
  • Teppiche
  • Plastikartikel
  • Spiegel, Gläser
  • Möbel und Kronleuchter
  • Haushaltgeräte, Mobiltelefone

Kontakt
Kaspar Engeli, Direktor, Tel. 061 228 90 33
Andreas Steffes, Sekretär, Tel. 061 228 90 32
 

Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Der Handel ist mit 680’000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Im Handel werden über 38’000 Lehrstellen angeboten, mehr bildet keine Branche aus.

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