social social social
 
social social social

Tag des Handels

13.06.2018 10:16:45

Den Erfolg im Handel immer wieder neu verhandeln

Am Tag des Handels gewannen rund 250 HandelsunternehmerInnen, PolitikerInnen und VerbandsvertreterInnen im Kursaal Bern Erkenntnisse zum Freihandel und zur Entwicklung des Schweizer Handels im Zuge der Digitalisierung. Ob stationär oder online – nachhaltige Erlebnisse und gute Beratung sind unverzichtbar. Für die neuen Freihandelsabkommen der Schweiz braucht Staatssekretärin Ineichen-Fleisch mehr Flexibilität im Verhandlungsrahmen. Da ist die Agrarwirtschaft gefordert. Die Schweiz behauptet ihre Rolle in der Welt immer wieder neu. So koordiniert sie eine Gruppe von mittelgrossen Ländern, die die WTO weiter entwickeln wollen.



Handel Schweiz veranstaltete zum ersten Mal den Tag des Handels zusammen mit fünf anderen Verbänden, die Unternehmen aus den Bereichen Spielwaren, Hebebühnen, Edelstahl- und Metall sowie technische Produkte bzw. Leasinggeschäft vertreten. Jean-Marc Probst, Präsident von Handel Schweiz, zeigte in seiner Begrüssung auf, dass der zunehmende Handel die Armut in der Welt gesenkt habe und insgesamt eine sehr positive Entwicklung nach sich ziehe. Man dürfe aber auch nicht die Augen vor jenen Bereichen verschliessen, die es weiterhin zu verbessern gäbe wie zum Beispiel das immer noch sehr grosse Gefälle zwischen den sehr Reichen und den sehr Armen. Der Bildung komme hier eine Schlüsselrolle zu. Jean-Marc Probst freute sich, dass es dem Handel in der Schweiz und der Schweizer Wirtschaft insgesamt sehr gut gehe. Das sei auch auf die klug verhandelten Freihandelsabkommen der Schweiz zurückzuführen.

Freihandel ist nicht frei, sondern folgt Regeln
Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des SECO sowie Direktorin der Direktion für Aussenwirtschaft, ist seit 2007 der zentrale Kopf der Schweiz, wenn es um die Verhandlung von Freihandelsabkommen geht. Am Tag des Handels ging die Staatssekretärin vor rund 250 HandelsunternehmerInnen, PolitikerInnen und VerbandsvertreterInnen im Kursaal Bern auf die aktuellen Herausforderungen des Schweizer Handels im internationalen Kontext ein. Sie erläuterte, dass das Wort Freihandel missverständlich sei, denn kein Handel sei frei von Regeln. «Freihandel heisst frei von Zöllen und von unnötigen Verfahren. Es gibt jedoch sehr wohl klare Regeln im Freihandel.» Diese Regeln sind das Kernthema der WTO. Sie widmet sich dem abgestimmten und regelkonformen internationalen Handelssystem. Deshalb setzt sich die Schweiz seit jeher aktiv für die Welthandelsorganisation ein. Neu koordiniert die Schweiz im Rahmen der WTO eine Gruppe von mittelgrossen Ländern, denen der Erhalt und die weitere Entwicklung der Welthandelsorganisation wichtig ist. Staatssekretärin Ineichen-Fleisch erklärte: «Die sehr kleinen und die ganz grossen Länder sind nicht bei dieser Gruppe vertreten, aber viele lateinamerikanische Staaten, zahlreiche Länder aus Südostasien und einzelne aus anderen Weltregionen. Ohne die WTO wären diese Länder im internationalen Handel in keinem Verbund vertreten, in dem sie sich durch ihre Stärke behaupten könnten.»

Mercosur – ein Markt mit über 260 Mio. Menschen
Wie ein gemeinsames Vorgehen von vier Ländern aussehen kann, zeigt das Beispiel Mercosur, dem «Gemeinsamen Markt Südamerikas». Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vertreten mit Mercosur einen Markt mit rund 260 Mio. Menschen. Die Herausforderungen in den aktuellen Verhandlungen mit Mercosur sieht die Chefunterhändlerin der Schweiz in der Öffnung des Agrarmarktes. «Die vier Mercosur-Länder haben klar signalisiert, dass sie mit der Schweiz ein Freihandelsabkommen verhandeln möchten, jedoch einen stärkeren Zugang zum schweizerischen Agrarmarkt suchen. Deshalb müssen wir in diesen Verhandlungen wohl weiter gehen als dies bisher der Fall war – und das bedeutet doch eine Herausforderung», so die Staatssekretärin.

Freihandelsabkommen im internationalen Wettbewerb
Sie betonte, wie wichtig die nicht isolierte Betrachtungsweise der Schweizer Freihandelsabkommen sei. Sie stünden immer im Zusammenhang mit anderen, gerade abgeschlossenen oder sich in Verhandlung befindlichen Freihandelsabkommen in der ganzen Welt. Denn bei Freihandelsabkommen herrsche ein konstanter Wettbewerb der Länder untereinander. Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch nannte ein einleuchtendes Beispiel: «Wenn zum Beispiel die EU durch ihr Freihandelsabkommen mit Kanada einen besseren Zugang zum Käsemarkt in Kanada erhält, hat das relativ schnell Auswirkungen auf die Käseexporte der Schweiz. Deshalb müssen wir dann in den Freihandelsabkommen nachziehen können, damit unser Teil des Käseexports gesichert ist.»

Die Schweiz hat kein Güterhandelsbilanzproblem
Vor dem Hintergrund der konstanten Entwicklung im Freihandel, müssen zudem Abkommen immer wieder an aktuelle internationale Rahmenbedingungen angepasst werden. So hat die Schweiz gerade als eines der ältesten Freihandelsabkommen jenes mit der Türkei modernisiert. «Anfang der neunziger Jahre betrafen unsere Freihandelsabkommen noch vor allem den Zugang zu Industriegütern. Heute sind für uns bei Freihandelsabkommen der Zugang bei den Industriegütern, aber auch der Schutz des geistigen Eigentums, der Zugang beim Beschaffungswesen und die Dienstleistungen sehr wichtig. Entscheidend ist, dass wir bei den nächsten Freihandelsabkommen flexibler sein können. Das gilt vor allem auch für der Landwirtschaft», meinte Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch. Der Wohlstand in der Schweiz basiere zu einem grossen Teil auf den offenen Märkten. 70% unseres BIP beträfen den Handel. «Wir sind ein kleiner Binnennmarkt. Wenn wir produzieren, können wir nicht alles in der Schweiz absetzen. Viele Unternehmen, vor allem auch KMU, exportieren bis zu 90% ihrer Waren. Deshalb brauchen wir offene Märkte für diese Produkte, damit wir uns weiterentwickeln und den Wohlstand sichern können. Aber auch der Import ist für die Schweiz sehr wichtig. Die Schweiz importiert sehr viel. Dabei ist es für uns kein Problem, wenn wir bei einem Land mehr importieren als exportieren. Denn vielleicht brauchen wir ja genau jene Produkte für unsere Wirtschaft, um in unserer Wertschöpfungskette Waren weiterzuverarbeiten und dann zu exportieren. Deshalb haben wir das Güterhandelsbilanzproblem von Präsident Trump nicht – wir sehen das nicht so wie er», äusserte sich die Staatssekretärin unmissverständlich.

Von Loeb bis brack.ch: Die Marke muss stimmen
In der anschliessenden Podiumsdiskussion widmeten sich Nicole Loeb, Delegierte des Verwaltungsrates der Loeb Holding AG, Prof. Martina Dalla Vecchia von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und der Gründer der Online-Plattform brack.ch Roland Brack der Frage, wie sich der Handel in der Schweiz im Zuge der Digitalisierung verändern werde. Die Mitinhaberin des stationären Warenhauses, die das 1881 gegründete Unternehmen in der fünften Generation führt, und der Online-Händler mit einem Sortiment von 200'000 Produkten sind sich darin einig, dass der Kern der Marke und die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden das Zentrum aller Anstrengungen sind. Für Loeb, «dem persönlichsten Warenhaus der Schweiz», das u.a. für seine speziell gestalteten Schaufenster bekannt ist, steht die Kundenbindung im Fokus. Das gilt für Innovationen wie die Showküche und das Nähcafé im Warenhaus oder den Dash Button an der Waschmaschine zuhause, mit dem das neue Waschmittel für den kommenden Tag bestellt werden kann. Nicole Loeb erklärte: «Wir betreiben ein Warenhaus und machen dieses mit vielen Facetten attraktiv; elektronische Mittel sind dabei eine Unterstützung.» Auch der Online-Händler Brack.ch bleibt bei seinen Stärken und plant keine Ausweitung in den stationären Handel. «Das ist nicht mein Business», betonte Roland Brack. Doch wie im stationären Handel ist bei Brack die umfassende Beratung sehr wichtig – allerdings in diesem Fall per Telefon, Whatsapp und E-Mail.

Digitalisierung erfordert ein Digitales Mindset und den Mut zu experimentieren
Prof. Martina Dalla Vecchia von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW geht davon aus, dass im Schweizer Handel ein grosses Innovationspotenzial besteht. Sie erlebt, dass Führungskräfte mit vielen guten Ideen unterwegs sind. Doch um diese zu nutzen, müssten Unternehmen anders vorgehen als früher: «Es braucht Digital Leaders in den Firmen, die Potentiale erkennen und diese umsetzen – sei es für den Vertrieb oder für interne Prozesse.» Dabei gelte es, die immensen Erfahrungen aus dem Handel mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu verschmelzen. So böten Virtual Reality und Augmented Reality ganz neue Chancen, um Kunden zu begeistern, in der Automation von Marketingmassnahmen oder in der Schulung von Mitarbeiten-den. Quintessenz der Diskussion: Wichtig ist es, die eigenen Stärken zu kennen, eine klare Strategie zu verfolgen und digitales Wissen im Unternehmen systematisch auszubauen.

Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, zeigte sich zufrieden mit der ersten derartigen Durchführung des Tag des Handels: «2019 findet der Tag des Handels am 21. Juni statt. Wir freuen uns, gemeinsam mit befreundeten Verbänden und Organisationen die Zukunft der kleinen, aber starken Handelsnation Schweiz weiter zu entwicklen.»

Kontakt
Kaspar Engeli, Direktor, Tel. 061 228 90 33
Andreas Steffes, Sekretär, Tel. 061 228 90 32
 

Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Im Handel werden über 38’000 Lehrstellen angeboten, mehr bildet keine Branche aus.

Download:

Publikationen

Dienstleistungen

Bildung

Organisation

Services

News Versicherungen Grundbildung KV Mitgliederverbände Downloadcenter
Youtubechannel Kreditversicherung Organigramm Kontakte  
     Weiterbildung Weitere Links