social social social
 
social social social

Schweizer Bevölkerung begrüsst neue Freihandelsabkommen

26.09.2018 11:00:23

Mehr Handel mit Australien, Japan, EU, Mexiko und Afrika

Eine aktuelle Umfrage von Handel Schweiz zeigt, dass die breite Bevölkerung der Schweiz dem Freihandel offener gegenübersteht, als manche protektionistische Propaganda glauben machen könnte. Die Lage der Wirtschaft und der internationale Handel werden von einer grossen Mehrheit positiv bewertet. Freihandel mit weiteren Ländern wird sehr begrüsst, doch liegen die USA und China hinter Russland und den Philippinen. Schlusslicht bildet die Türkei. 



Der internationale Handel floriert, wie die neuen Zahlen des SECO zeigen: Im Zehnjahresvergleich sind die Exporte um 7% gewachsen. Im zweiten Quartal 2018 haben sie um 2,8% zugenommen. Auch der Grosshandel ist seit einigen Quartalen gut unterwegs und klagt im Moment eher über den Mangel an Fachkräften als über eine zu kleine Nachfrage. Das zeigt die KOF-Umfrage im Auftrag von Handel Schweiz. 

Umfrage in der Schweiz: 80% wollen mehr Freihandelsabkommen
Die fruchtbare wechselseitige Beziehung zwischen Wohlstand und Handel bzw. Freihandel ist einem grossen Teil der Schweizer Bevölkerung auch bewusst, wie eine aktuelle Online-Umfrage von Handel Schweiz unter 1043 Personen nahelegt. So sind 91% der Befragten der Auffassung, dass es der Schweizer Wirtschaft sehr gut bis gut geht. Für 54% ist der Handel für den Wohlstand zentral, für 46% stimmt das zum Teil. Nur 6% meinen, dass sich der internationale Handel eher schlecht auf die Schweiz auswirkt. 94% finden die Auswirkungen des internationalen Handels auf den Wohlstand der Schweiz gut bis sehr gut. Am meisten Nutzen bringt die Globalisierung bei den Wachstumschancen (36%), den niedrigeren Preisen (22%), den besseren Produkten (14%) und der steigenden Zahl der Arbeitsplätze (11%). Nur 17% der Umfrageteilnehmer sehen grosse Probleme, die die Globalisierung für die Schweiz mit sich bringt. 

76% wollen mehr Handel mit Mexiko, 57% mit den USA
Mehr Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und weiteren Ländern begrüssen 80% der Befragten. Dabei liegen in der Gunst der breiten Bevölkerung Deutschland (91%), Australien (89%), Japan (89%), Frankreich (85%) Grossbritannien (83%) und EU (80%) weit vorne. 76% der Umfrageteilnehmer würden gerne den Handel mit Mexiko verstärken, gefolgt von Indien (69%) und Afrika (67%). 65% wollen mehr Handel mit Lateinamerika, 63% mit Russland, mit den Philippinen 59%, mit USA 57% und mit China 54%. Schlusslicht bei den abgefragten Ländern ist die Türkei mit 39%. 

Mercosur liegt auf der Linie der favorisierten Länder
«Das geplante Freihandelsabkommen Mercosur stösst somit bei der breiten Bevölkerung der Schweiz auf mehr Zustimmung als erwartet», erklärte Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, am heutigen Mediengespräch. Sowohl die EU als auch die Schweiz (im Rahmen der EFTA) verhandeln bekanntlich ein Freihandelsabkommen mit dem Wirtschaftsraum Mercosur, zu dem die Länder Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien zählen und in dem 260 Millionen Menschen leben. Bis heute sind die Mercosur-Staaten eher protektionistisch – mit Zöllen von bis zu 35%. Brasilien als wichtigste Volkswirtschaft des Mercosur hat hohe Zollschranken für alle Waren aufgebaut, die sie selbst produzieren. Auch Argentinien hat lange Zeit eine Politik der Abschottung verfolgt. 

Studie in 12 Ländern: Mexikaner und Inder begrüssen positiven Einfluss der Globalisierung
Kaspar Engeli verglich die Umfrageergebnisse in der Schweiz mit einer umfassenden Studie der Bertelsmann Stiftung in 12 Ländern. Hier nannten die Befragten in China (77%), Indonesien (74%), Mexiko (73%), Indien (72%) sowie in den Schwellenländern (64%) den Einfluss der Globalisierung auf die Welt als positiv. Am wenigsten stimmten dieser Aussage die Menschen in den Entwicklungsländern (44%), USA (42%), Russland und Frankreich (je 41%), Deutschland und Japan (je 40%) zu. 

Auf der Hitliste der beliebtesten Länder für einen verstärkten Handel stehen in der Gesamtwertung der 12 Länder Japan (74% / Schweiz 89%), Deutschland (72% / Schweiz 91%), Grossbritannien (68% / Schweiz 83%) und USA (65% / Schweiz 57%). Der grösste Unterschied zur internationalen Studie ergibt sich bei dem Handel mit USA, den in der Schweiz nur 57% der Befragten begrüssen. Die Globalisierung als Chance sehen vor allem die Menschen in Indonesien (81%), Indien und Mexiko (je 78%) sowie in den Schwellenländern (70%) und Deutschland (61%). Dazu passen auch die Antworten auf die Frage, ob der internationale Handel für das jeweilige Land eine gute oder eine schlechte Sache sei. Vorwiegend positiv wird der internationale Handel bewertet in Indien (82%), Mexiko (79%), Indonesien (76%), in den Schwellenländern (72%) und in Deutschland (71%). In der Schweiz sind 94% der Befragten dieser Auffassung. Ihrer Wirtschaft geht es gut – das finden am meisten die Menschen in Indonesien (85%), in Russland (84%), in Deutschland (79%), Frankreich (76%) und in den Schwellenländern (74%). Am wenigsten Zustimmung erhielt diese Frage in Japan (46%). In der Schweiz sind 91% der Meinung, dass es der Wirtschaft unseres Landes gut geht.

Kaspar Engeli: «Erstaunlich ist z.B. der Befund in Frankreich, wo fast 70% der Befragten ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage malen, handkehrum Indien, wo 70% positiv gestimmt sind. Insgesamt beurteilen in den 12 Ländern über 50% der Menschen die wirtschaftliche Lage positiv, je reicher ein Land, umso positiver die Beurteilung. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Beurteilung der Globalisierung. 40% der Franzosen sehen in ihr keine Wachstumschancen. Das ist erstaunlich für ein Land, welches weltweit aktiv im Detailhandel mitmischt und überall Läden unterhält. Der internationale Handel kommt fast überall gut weg, und seine zentrale Rolle wird erkannt. Rund 80% aller Beurteilungen sind positiv, die Türkei und die Grande Nation scheren massiv aus – 30% denken, dass der internationale Handel ihrem Land Schaden zufüge. Die jeweils rund 1000 Befragten werten in China (77%), Indonesien (74%), Mexiko (73%), Indien (72%) sowie in den Schwellenländern (64%) den Einfluss der Globalisierung auf die Welt als positiv. Am wenigsten stimmten dieser Aussage die Menschen in den Entwicklungsländern (44%), USA (42%), Russland und Frankreich (je 41%), Deutschland und Japan (je 40%) zu. Das bedeutet, dass vor allem der Westen eher protektionistisch und globalisierungsfeindlich eingestellt ist.»

Handelsunternehmen wollen mehr Freihandel mit USA, Grossbritannien, Indien und Russland
Handel Schweiz hat auch seine Mitglieder zum Thema Freihandelsabkommen befragt. Konkret profitierte jedes zweite Unternehmen, wenn in ihrem Markt mehr Freihandel herrschte. Falls die Schweiz neue Freihandelsabkommen vereinbaren könnte, versprächen sich die Handelsunternehmen am meisten von einem Abkommen mit den USA und Grossbritannien. Jeweils knapp zwei Drittel der Unternehmen begrüssen ein Freihandelsabkommen mit einem der beiden Länder. Fast gleich viele Befragte sind an Freihandelsabkommen mit Indien (41%) und Russland (39%) interessiert. Hier gibt es gewisse Parallelen mit den Antworten der breiten Bevölkerung: 69% befürworten ein Freihandelsabkommen mit Indien. 63% wollen mehr Handel mit Russland.

Initiativen können auch das Gegenteil bewirken
Ungeachtet der wohlwollenden Beurteilung des Freihandels durch die Umfrageteilnehmer warnt Handel Schweiz vor den Folgen eines zunehmenden Protektionismus sowie der anstehenden Initiativen, die den freien Handel indirekt unter Beschuss nehmen. So erklärte Jean-Marc Probst, Präsident von Handel Schweiz: «Initiativen sind gut, wir befinden uns schliesslich in einer Demokratie. Doch zu viele Initiativen, die das Erfolgsmodell Schweiz schmälern wollen, schaffen Unsicherheit. Und Unsicherheit ist generell für die Wirtschaft nicht gut – besonders auch für die KMU nicht. Unternehmer müssen investieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Das machen sie nur, wenn sie wissen, wohin die Reise geht, wenn es also ein gewisses Mass an Sicherheit gibt. Und zu viele Initiativen schaffen leider viel Unsicherheit. In meiner Branche, der Baumaschinenbranche zum Beispiel, ist durch die Masseneinwanderungsinitiative die Situation sehr angespannt. Die Zuwanderung hat sich reduziert, und es gibt keine Arbeitslosigkeit. Wir suchen viele Mitarbeitenden, die wir jedoch nicht finden. So werden wir wegen des Personalmangels höchstwahrscheinlich gezwungen sein, gewisse Leistungen ins Ausland zu verlegen.»

Der Handel ist eine sensible Pflanze
Jean-Marc Probst betonte, dass die positiven Auswirkungen des Freihandels nicht als selbstverständlich betrachtet werden dürfen. Zwischen 1990 und 2014 hat sich der Güterhandel weltweit verfünffacht wie auch das BIP in den Schwellenländern. Der Dienstleistungshandel hat sich in den betrachteten 14 Jahren weltweit um den Faktor 6 erhöht. In der gleichen Zeit hat sich das BIP der Schweiz verdoppelt. 

Trotz dieser positiven Entwicklung, die einhergeht mit weniger Armut und Krankheit in der Welt, ergeben sich für die Zukunft mehrere Risiken, vor denen die Schweiz die Augen nicht verschliessen darf. So besteht in der Beziehung zwischen USA und China die Gefahr der Eskalation, die zu einem Flächenbrand im Welthandel führen kann. Denn die globalen Wertschöpfungsketten sind extrem sensibel, da vernetzt. Doch die Politiker bezahlen nicht den Preis der angeheizten Eskalation. Die Leidtragenden sind das Volk. 

Zum Beispiel Pharma
Kaspar Engeli, Direktor Handel Schweiz, zeigte am Beispiel der Pharmaindustrie die internationale Vernetzung der Schweizer Wirtschaft auf. So wurden 2017 im Wert von über CHF 98 Mrd. Chemisch-Pharmazeutische Produkte aus der Schweiz in andere Länder exportiert. In der gleichen Zeit lag der Import in diesem Bereich bei knapp CHF 47 Mrd. Exporte gingen für CHF 19 Mrd. in die USA. Aus den USA wurden 2017 für knapp CHF 5 Mrd. Chemisch-Pharmazeutische Waren importiert. Die Exporte nach Deutschland beliefen sich auf CHF 16 Mrd., die Importe auf CHF 12 Mrd. Der Direktor von Handel Schweiz: «Würde die USA die Chemisch-Pharmazeutischen Waren mit hohen Zöllen belegen, bedeutete das einen Erdrutsch für die Schweizer Wirtschaft – nicht nur für den Handel.»

Schwache WTO, schwache EU, starkes China
Nicht nur Handelsbarrieren und Zölle können die Schweizer Wirtschaft ins Trudeln bringen. Auch andere Faktoren können zu Unsicherheiten auf globaler oder europäischer Ebene führen. So steht die WTO seit 20 Jahren still und befindet sich in einer tiefen Krise. Die USA prägte und gründete zwar die WTO und spielt doch heute mit dem Feuer. Die EU hat zwar auf die Handelszölle von Trump reagiert, was die WTO stärkt. Doch so oder so ist die Schweiz als Drittland von solchen Entwicklungen extrem betroffen und braucht zum Beispiel die Schutzmassnahmen beim Stahl. 

Freihandelsabkommen mit USA
Handel Schweiz verlangt, dass die Schweiz sofort nachzieht, falls es zu einem Freihandelsabkommen zwischen USA und EU kommt. Nicht unterschätzt werden darf auch der Einfluss des Brexit. Wenn die EU Grossbritannien beim Brexit entgegenkommt, schwächt dies die EU weiter. Die politische Rhetorik in Italien und Ungarn wirft zusätzlich ein schiefes Licht auf Europa, was sich auch auf den internationalen Handel schädlich auswirkt. Jean-Marc Probst: «China schliesslich profitiert vom fragilen Zustand der EU.» 

Schädliche Kolonialisierung made in Switzerland?
Der Präsident von Handel Schweiz machte deutlich: «Auch in der Schweiz erhalten Protektionismus und Nationalismus in neuem Gewand Aufwind. Uns stehen zahlreiche protektionistische Abstimmungen bevor. So will die Konzernverantwortungsinitiative CH-Unternehmen zwingen zu beweisen, dass sie sich im Ausland CH-rechtskonform verhalten. Das entspricht einer Beweislastumkehr: Die Unschuldsvermutung wird aufgehoben. Es handelt sich hier um eine widerliche Form von Kolonialismus. Schweizer Recht soll Wirkung im Ausland entfalten, wie z.B. bei der Fair-Preis-Initiative. Für den Wohlstand der Schweiz sind jedoch neue Freihandelsabkommen und gute internationale Beziehungen existentiell. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Auch die Freihandelsabkommen der EU werden immer besser. Vor allem wegen der Restriktionen im Agrarbereich gelangt die Schweiz möglicherweise ins Hintertreffen. Sollte die EU das Mercosur-Abkommen abschliessen und die Schweiz nicht – wegen der Hemmnisse in der Landwirtschaft –, dann entsteht für das ganze Land ein direkter messbarer Schaden.»


Kontakt
Kaspar Engeli, Direktor, Tel. 061 228 90 33
Andreas Steffes, Sekretär, Tel. 061 228 90 32

Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein. Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber der Schweiz. Im Handel werden über 38’000 Lehrstellen angeboten, mehr bildet keine Branche aus.

Download:

Publikationen

Dienstleistungen

Bildung

Organisation

Services

News Versicherungen Grundbildung KV Mitgliederverbände Downloadcenter
Youtubechannel Kreditversicherung Organigramm Kontakte  
     Weiterbildung Weitere Links